Datenangsthasen

Nach einer Veranstaltung der LDI NRW kam ein Kollege, der an der Veranstaltung teilgenommen hat, zu mir und wir sprachen über die Veranstaltung. Er meinte ihm seien einige Teilnehmer der Veranstaltung schon fast paranoid vorgekommen. So eine Angst vor dem Missbrauch der persönlichen Daten hätte er noch nicht erlebt.

Paranoid – Sucht man nach Definitionen für Paranoia, dann kommt man schnell in den Bereich wo von Krankheit gesprochen wird. Sind wir denn schon so weit das uns das Netz krank macht? Etwas in dem wir uns freiwillig bewegen macht uns krank? Sollten wir dann nicht anfangen uns Gedanken zu machen? OK; ich bin kein Web 2.0 Arzt, aber wenn ich selber eine Ursache für meine Krankheit kenne dann ist es doch an mir diese zu beheben. Wenn mich das Internet krank macht nutze ich es nicht. Punkt. So einfach ist das.

Ok, ist es natürlich nicht. Man möchte das Web ja nutzen. Aber wenn ich täglich beobachte, wie Datenangsthasen sich virtuell bei “irgendwelchen” Web 2.0 Startups, neuen Communities oder anderem virtuell datentechnisch ausziehen, dann fehlt mir ein gewisses Maß an Verständnis dafür. Unbekannten Fimen mit Firmensitz teilweise ganz weit von Deutschland vertraut man sich mit den persönlichsten Daten an, aber vor dem eigenen Staat hat man Angst. Ich weiss nicht.

Fotografie ist eines meiner Hobbys. Ist es da nicht schade dass ich bei den Besuchen von Barcamps aus Rücksicht auf Datenangsthasen keine Kamera mitnehme? Ein Polizist der Barcamps besucht und Fotos macht. Gefundenes Fressen für Spekulationen von Datenangsthasen. ;-)

7 Kommentare

  1. Michael

    Es gibt da durchaus Unterschiede: Bei Firmen kann man es sich aussuchen, ob man ihnen die Daten zur Verfügung stellen will, wenn der Staat jetzt beschließt bestimmte Daten flächendeckend und anlaßunabhängig zu speichern, kann ich das nicht. Und ja, ich bin dagegen. Ich finde übrigens auch, das man den Wunsch von Leuten nach Privatsphäre ernst nehmen
    und nicht mit “Datenangsthasen” verunglimpfen sollte.

  2. Arne

    Wie kommst Du darauf, dass Menschen, die Wert auf informationelle Selbstbestimmung legen, Angst vor dem eigenen Staat haben? Um Angst vor großen Datensammlungen zu haben, reicht doch schon die Erkenntnis, dass Menschen im Umgang mit Daten gelegentlich Fehler machen:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/98863

    Natürlich trifft das auch auf die Mitarbeiter des Startups “Datensammlr” mit Firmensitz am anderen Ende des Universums zu. Dort kann ich mich aber wenigstens entscheiden, ob bzw. welche Daten ich hinterlasse. Der staatlichen Datensammelleidenschaft hingegen kann ich nicht ohne weiteres entrinnen.

  3. Guido

    Ich werde in den nächsten Tagen mal Fallbeispiele (aus Polizeisicht) einstellen warum die Speicherung Sinn macht. Dann wird das klarer. Und… by the way… ich habe nie behauptet dass ich pro oder contra bin. Ich habe (wie meine ganzen Kolleginnen und Kollegen auch) einen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Als Mensch und Bürger habe ich auch Rechte und Pflichten und gehe auch wählen.

  4. Kassandra

    Dass die Speicherung aus Polizeisicht Sinn macht, glaube ich gern. Und auch dass Du und die meisten Deiner Kollegen sorgsam damit umgehen wollt. Aber auch ihr seid Menschen und damit fehlbar. Von Ermittlungsdruck oder Schwarzen Schafen mal abgesehen, die Zusammenhänge auslegen oder hinein interpretieren …
    Als Ex-ddr-Bürgerin schätze ich die Freiheit sehr und habe keine Angst vor dem Staat, bis jetzt … So eine Atmosphäre, wo man sich vorher überlegt, was man gefahrlos sagen darf oder nicht, mit wem man Kontakt haben darf oder nicht (ohne in irgendeinen Verdacht zu geraten), möchte ich nie wieder erleben. Wenn man sich beobachtet fühlt, handelt man nicht frei. Es gibt schlicht Dinge in jedem Leben, die niemanden etwas angehen (ich meine damit nicht Vergehen gegen Gesetze oder schlimmeres) und die stehen auch nicht im xing-Profil. Dort kann ich beeinflussen, was ich preisgebe.

  5. Thomas H. Lemke

    Ich finde, Du verniedlichst die Auswirkungen, des Beobachtet-Werdens und vor allem, des Sich-Beobachtet-Fühlens:

    Wenn mich der Besuch von Internetseiten oder der Kauf bestimmter Bücher in Terrorismusverdacht bringen, werde ich das lieber sein lassen. Ich habe Familie. Mir ist es wichtig, bei meinen Kindern zu sein. Da will ich auch nicht im entferntesten das Risiko eingehen, in Untersuchungshaft zu kommen.

    Und vielleicht hat mein Verhalten ja auch Auswirkungen auf die Bildungs- und Berufschancen meiner Kinder? Vielleicht wollen sie ja später eine gute Staatsschule besuchen oder eine Laufbahn im öffentlichen Dienst einschlagen? Wird ihnen das möglich sein, wenn dann irgendwo vermerkt ist, daß ihr Vater schon einmal unter Terrorismusverdacht stand? Dass das Verfahren dann niedergeschlagen wurde… naja…”Da war er klug genug, keine Beweise finden zu lassen. Aber irgendetwas wird schon dran sein…”.

    Das mag konstruiert klingen, solche Überlegungen waren aber in meinem deutschen Heimatort bis vor 18 Jahren Realität.

    Da geht es nicht nur darum, was mit den Daten (derzeit) gemacht wird, sondern auch, was damit in Zukunft getan werden könnte.

    Es kann sein, dass ich bin durch meine DDR-Vergangenheit vorbelastet bin – oder aber sensibilisiert.

    Was mich beunruhigt: Ich merke, wie Freunde von mir und auch mich selbst Gedanken bewegen, wie man sein Verhalten ändern müßte, wenn…..
    Das war in den letzten 12-15 Jahren anders.

    Und noch etwas: Wenn die Daten da sind, werden sie nicht nur gebraucht, sondern auch missbraucht.
    (Fast) jeder Mensch ist fehlbar – nicht nur ich, Du auch! – spätestens wenn er unter Druck steht. Dazu schrieb Kassandra ja schon (schöner Name übrigens).

    Und noch eine Buchempfehlung: “Wie wirklich ist die Wirklichkeit?” von Paul Watzlawick. Lies das mal!

  6. Thomas H. Lemke

    Ich finde, Du verniedlichst die Auswirkungen des Beobachtet-Werdens und vor allem, des Sich-Beobachtet-Fühlens:

    Wenn mich der Besuch von Internetseiten oder der Kauf bestimmter Bücher in Terrorismusverdacht bringen, werde ich das lieber sein lassen. Ich habe Familie. Mir ist es wichtig, bei meinen Kindern zu sein. Da will ich auch nicht im entferntesten das Risiko eingehen, in Untersuchungshaft zu kommen.

    Und vielleicht hat mein Verhalten ja auch Auswirkungen auf die Bildungs- und Berufschancen meiner Kinder? Vielleicht wollen sie ja später eine gute Staatsschule besuchen oder eine Laufbahn im öffentlichen Dienst einschlagen? Wird ihnen das möglich sein, wenn dann irgendwo vermerkt ist, daß ihr Vater schon einmal unter Terrorismusverdacht stand? Dass das Verfahren dann niedergeschlagen wurde… naja…”Da war er klug genug, keine Beweise finden zu lassen. Aber irgendetwas wird schon dran sein…”.

    Das mag konstruiert klingen, solche Überlegungen waren aber in meinem deutschen Heimatort bis vor 18 Jahren Realität. Da geht es nicht nur darum, was mit den Daten (derzeit) gemacht wird, sondern auch, was damit in Zukunft getan werden könnte. Es kann sein, dass ich durch meine DDR-Vergangenheit vorbelastet bin – oder aber sensibilisiert.

    Was mich beunruhigt: Ich merke, wie Freunde von mir und auch mich selbst Gedanken bewegen, wie man sein Verhalten ändern müßte, wenn…..
    Das war in den letzten 12-15 Jahren anders.

    Und noch etwas: Wenn die Daten da sind, werden sie nicht nur gebraucht, sondern auch missbraucht. (Fast) jeder Mensch ist fehlbar – nicht nur ich, Du auch! – spätestens wenn er unter Druck steht. Dazu schrieb Kassandra ja schon (schöner Name übrigens).

    Und noch eine Buchempfehlung: “Wie wirklich ist die Wirklichkeit?” von Paul Watzlawick. Lies das mal!

  7. Alex Zeitler

    Hallo zusammen :)

    Ich mache mir relativ wenig sorgen darüber was ihr als Polizisten mit den Daten anstellt. Ok, schwarze Schafe gibts auch da, aber das seh ich nicht so kritisch. Unter anderem deswegen weil das Ausmaß an Mist den man damit als Einzelperson anstellen kann doch eher begrenzt ist (und natürlich weil ich bisher wirklich nur gute bis sehr gute Erfahrungen mit eurem Berufsstand gemacht habe :) )

    Nein, ich mache mir darüber sorgen was unser lieber Staat, respektive einige seiner gewählten Vertreter in Zukunft mit solchen Instrumenten anstellen können. Was da ist wird schlussendlich gebraucht und – das zeigt die Erfahrung – wenn irgendwie möglich auch zweckentfremdet, also misbraucht werden. Die Horrorszenarien die man sich daraus zusammenkonstruieren kann sind dann doch zwei Nummern heftiger (insbesondere wenn ich mir so einige Statments von diversen geistigen Tieffliegern ansehe die in diverse politische Ämter gewählt wurden).

    schönen Tag noch

    Alex

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