Frisch aus der Google Fabrik, ein Browser. Gefällt auf den ersten Blick, reduziert auf das wesentliche, schnell, einfach, intuitiv, Google eben. Aber das Männchen mit dem hochgestellten Kragen, dem Hut und der Sonnenbrille hat dann doch meine Aufmerksamkeit geweckt. Inkognito-Symbol nennt Google das. Aha.
Was bedeutet das?
Google sagt:
“Im anonymen Modus speichert Chrome keine Informationen zu den von Ihnen aufgerufenen Websites. Die von Ihnen besuchten Websites besitzen möglicherweise noch Aufzeichnungen zu Ihrem Besuch.”
Ok, ist ja nett dass Chrome nichts speichert. Schön finde ich die Erklärung mit dem Geburtstagsgeschenk. Man hört ja immer wieder von Ehepartnern die den Cache und Cookies durchsuchen um zu sehen was sie zum Hochzeitstag geschenkt bekommen.
Aber warum warnt Chrome vor Arbeitgebern und Ermittlungsbehörden? Arbeitgeber die von Ihnen aufgerufene Seiten protokollieren und Überwachung durch Ermittlungsbehörden. Davor braucht mich keiner zu warnen.
Ich kann mir diese Warnung nur so erklären dass es sich um eine 1 zu 1 Übersetzung aus den USA handelt um sich gegen möglichen Klagen abzusichern. Weiß jemand mehr? Ich kann doch nicht allen Ernstes annehmen dass wenn ich Google Chrome im Inkognito-Modus nutze ich mich wirklich anonym im Netz bewege, oder ?
Trotzdem: Der Browser gefällt!
“Ich kann doch nicht allen Ernstes annehmen dass wenn ich Google Chrome im Inkognito-Modus nutze ich mich wirklich anonym im Netz bewege, oder ?”
Erst recht nicht bei den vielen Rückmeldungen an Google: http://netzpolitik.org/2008/es-ist-nicht-alles-chrome-was-glaenzt/
Allen voran natürlich das hier: “Googles Browser Chrome sendet einige Daten an den Hersteller, daraus macht Google keinen Hehl. Bei der Installation bekommt jeder Browser eine eindeutige Nummer zugeordnet, die immer wieder zusammen mit anderen Daten an Google gesendet wird”
Das Problem bei Chrome ist: Jeder Browser kriegt eine Unique-ID verpasst, d.h. die Daten, die nach Hause gesendet werden (Suchanfragen, besuchte Webseiten, etc. pp), können im Regelfall direkt einer Person zugeordnet werden.
Somit kann Google durch tatkräftige Unterstützung ahnungsloser/ignoranter Benutzer viel leichter personalisierte Werbung bereitstellen – und das ist natürlich teurer als normale Werbung. Im Prinzip ist Chrome der nächste logische Schritt einer extrem gewinnorientierten Datenkrake.
Der sogenannte Porno Button ist reines Wischi-Waschi. Arbeitgeber, die die Surfgewohnheiten ihrer Mitarbeiter beobachten haben spezielle Software installiert, die alles mitschneidet, was der Arbeitnehmer so tut. Von der Uhrzeit zu der sich der Arbeitnehmer am System anmeldet bis dahin was er im Einzelnen so während seiner Arbeitszeit am Rechner so getan hat. Darum die Warnung für den unbedarften Benutzer.
Für den Heimrechner, damit der Ehepartner nicht sieht, was er zum Geburtstag kriegt, empfehle ich eher eine Linux Live CD. Simpel zu bedienen und Daten werden auch nicht gespeichert. (Wobei das auch nicht gegen eine Hardware Keylogger Lösung helfen würde.)
Damit aber erstmal genug Kritik. Als Informatiker sehe ich es durchaus positiv, dass einzelne Tabs als seperate Prozesse laufen, ebenso Plug-Ins, die von den angezeigten Webseiten genutzt werden. So kann eine fehlerhafte Webseite/ein fehlerhaftes Plug-In nicht mehr den kompletten Webbrowser zum Absturz bringen.
Der Spreeblicker hat mal wieder die dialektischste Analyse, zum Glück:
http://www.spreeblick.com/2008/09/04/wir-sind-bild-the-chrome-conspiracy/
Johnny-sei-dank, eine vernünftige Meinung.